Titel:
Dysphagiediagnostik, -Therapie und Trachealkanülenmanagement in der Langzeitbeatmung und beim Weaning
Abstract:
Dysphagie hat wesentlichen Einfluss auf das Behandlungsergebnis bei Patienten mit Langzeitbeatmung beziehungsweise im Rahmen des schwierigen Weanings von der Beatmungsmaschine. Persistierende Dysphagie kann den Weaningserfolg, insbesondere die Dekannülierung aber auch die vollständige Entwöhnung von der Beatmungsbehandlung infrage stellen. Die Ursachen der Dysphagie im Weaning sind heterogen. Dies wird in der Leitlinie der deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin mit einem eigenen Kapitel gewürdigt. Zertifizierte Weaningzentren sind verpflichtet, Dysphagiediagnostik und Therapie anzubieten. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass eine frühzeitige strukturierte Dysphagiediagnostik und entsprechende Anpassung der therapeutischen Maßnahmen den Weaningprozess beschleunigt, allerdings den Anteil an tracheotomiert entlassener Patienten erhöhen kann. Schon mit der Einführung einer strukturierten Diagnostik verbesserte sich das mittelfristige Outcome der Patienten.
Im Rahmen der außerklinischen Beurteilung langzeitbeatmeter beziehungsweise kannülierter Patienten, ist die Dysphagiediagnostik obligater Bestandteil der entsprechenden Statusbestimmung. Hier kann ein strukturierter Befund, neben der Beurteilung der atemmuskulären Kapazität eines außerklinisch beatmeten Patienten, wesentlicher Bestandteil für die Entscheidungsfindung zum weiteren Weaning sein. Strukturierte Dysphagiediagnostik ist gesetzlich vorgegebener Bestandteil der Potenzialerhebung bei außerklinisch langzeitbeatmeten Patienten und damit Voraussetzung für die außerklinische Intensiv- Versorgungsordnung. Bei der Longitudinalen Beurteilung beatmungspflichtiger, respektive kanüllierter Patienten in der außerklinischen Intensivpflege ist auffällig, dass eine intensive Einbindung logopädischer Diagnostik und Therapie den Ernährungsstatus sichert und die Häufigkeit an Krankenhauseinweisungen vermindert. Bei Patienten mit außerklinischer Beatmung und Dysphagie besteht die Gefahr, dass bei Besserung der Dysphagie außerklinische Weaningsversuche unternommen werden, die aufgrund der fehlenden spezifischen Beatmungsüberwachung Risiken bergen.
Damit sind das Dysphagiemanagement und das damit verbundene Trachealkanülenmanagement integrale Themen für eine intersektorale Zusammenarbeit von Pflegenden, Therapeuten und Ärzten.
Vita:
Medizinstudium in Lpz bis 1993, dann Ausbildung in Mittelengland bis 1995. Internistische Ausbildung an der Uni Halle, Pneumologie bei Martha-Maria. Seit 2005 Beschäftigung mit Beatmungsmedizin und außenklinischer Beatmung. … Seit 2020 Chefarzt in der Diakonie. 2022 Weinet-zertifikat des Weaningzentrums.